Köln und der Rhein – die Stadtentwässerungsbetriebe Köln (StEB) nennen das eine Beziehung, die von Ambivalenz geprägt ist: Lebensader und Bedrohung zugleich. Die Hochwasser der Vergangenheit sind der Grund, warum es heute mobile Wände in der Altstadt, ein Hubtor in Rodenkirchen und eine Hochwasserzentrale gibt. Dieser Beitrag stellt die großen Ereignisse vor – mit den Pegelständen, die die StEB, die Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz und das frühere Landesamt für Wasserwirtschaft Rheinland-Pfalz dokumentiert haben.
Alle Werte beziehen sich auf den Pegel Köln in der Altstadt. Ein Wert von 10,70 m Kölner Pegel entspricht 1070 cm auf dieser Seite.
Die höchsten gemessenen Wasserstände
Die Wasserstandsaufzeichnung am Kölner Pegel beginnt laut StEB im Jahr 1816. Die Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz führt für den Pegel Köln eine Liste der zehn höchsten Stände seit Beginn der Messung. Wo die StEB dieselben Ereignisse nennen, stimmen die Werte überein.
| Platz | Datum | Pegel Köln | Orte betroffen nach heutigen Schwellen |
|---|---|---|---|
| 1. | 01.01.1926 | 1070 cm | 9 von 9 |
| 2. | 30.01.1995 | 1069 cm | 9 von 9 |
| 3. | 24.12.1993 | 1063 cm | 9 von 9 |
| 4. | 16.01.1920 | 1059 cm | 9 von 9 |
| 5. | 29.11.1882 | 1053 cm | 9 von 9 |
| 6. | 02.01.1948 | 1042 cm | 9 von 9 |
| 7. | 29.05.1983 | 996 cm | 8 von 9 |
| 8. | 02.01.1883 | 995 cm | 8 von 9 |
| 9. | 29.03.1988 | 995 cm | 8 von 9 |
| 10. | 25.02.1970 | 987 cm | 8 von 9 |
Quelle: Stadtentwässerungsbetriebe Köln: Hochwassergeschichte Kölns; Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz: Messstelle Köln, Extremereignisse (API); Landesamt für Wasserwirtschaft Rheinland-Pfalz: Hochwasser im Rheingebiet – Winter 2002/2003 (Bericht 206/03, Dez. 2003); Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz: Rhein-Hochwasserinformation 01 vom 25.02.2026 (verteilt über hochwasser.hessen.de). Zum Hochwasser-Archiv
Drei Hochwasser liegen fast gleichauf an der Spitze: das Neujahrshochwasser 1926 mit 10,70 m, das Hochwasser vom Januar 1995 mit 10,69 m und das Weihnachtshochwasser 1993 mit 10,63 m. Auch beim Abfluss liegen sie vorn. Die Hochwasservorhersagezentrale nennt für 1926 rund 11.100 m³/s, für 1995 10.900 m³/s und für 1993 10.800 m³/s.
Vor der Messung: 1342 und 1784
Zwei Ereignisse liegen vor dem Beginn der Aufzeichnung und werden von den StEB trotzdem mit einem Pegelwert geführt.
25. Juli 1342 – 11,52 m. Am Magdalenentag kommt es laut StEB zur schlimmsten Hochwasserkatastrophe des Jahrtausends in Europa. Heftige, großräumige Niederschläge treiben die Flüsse Mitteleuropas auf Rekordstände. Für Köln ist es das schwerste Sommerhochwasser aller Zeiten; die Bewohner fahren mit Booten über die Stadtmauern.
28. Februar 1784 – 13,55 m. Das Eishochwasser von 1784 gilt laut StEB als das schwerste in Kölns Geschichte. Nach einem eisreichen Winter friert der Rhein vollständig zu – es finden sogar Feste auf dem Eis statt. Bei Tauwetter türmen sich riesige Eisstaue auf, der Pegel erreicht seinen historischen Höchststand. Menschen ertrinken, Häuser stürzen ein, das Stadtbild verändert sich.
1882 bis 1948: Hochwasser, die Köln verändert haben
29. November 1882 – 10,53 m. Starke Regenfälle machen es zum schwersten Hochwasser des 19. Jahrhunderts. Am Oberrhein werden Rekordabflüsse gemessen. In Köln trifft das Wasser laut StEB überraschend ein – mangels Vorwarnung durch die Zeitungen. Laut Hochwasservorhersagezentrale folgte am 2. Januar 1883 bereits das nächste Hochwasser mit 9,95 m.
16. Januar 1920 – 10,59 m. Der höchste Stand seit 1784 zu diesem Zeitpunkt. Heftige Regenfälle treffen auf Schneeschmelze in den Mittelgebirgen. Als Reaktion richtet die Stadt Köln laut StEB erstmals eine Hochwasserschutzzentrale ein.
1. Januar 1926 – 10,70 m. Das Neujahrshochwasser hält sich laut StEB fünf Tage lang auf diesem Stand. Stromausfälle und Dammbrüche drohen, besonders in Merkenich. Obwohl die Stadt 14 km Stege verbaut hat, können Helferinnen und Helfer mit Sandsäcken und Lehm eine Katastrophe nur knapp verhindern.
2. Januar 1948 – 10,42 m. Nach dem Krieg blockieren Trümmer zerstörter Brücken den Abfluss. Das Wasser staut sich, der Rhein steigt trotz vergleichsweise moderater Zuflüsse auf 10,42 m.
Dazwischen und danach gab es weitere große Hochwasser, die die Hochwasservorhersagezentrale unter den zehn höchsten führt: 9,87 m am 25. Februar 1970, 9,96 m am 29. Mai 1983 und 9,95 m am 29. März 1988. Zum Hochwasser im Mai 1983 schreiben die StEB, es sei bereits das zweite in diesem Jahr gewesen; die Altstadt und Teile von Rodenkirchen, Zündorf, Worringen, Kasselberg und Poll wurden überschwemmt. 1988 wurde zum ersten Mal die neue mobile Hochwasserschutzwand aufgebaut. Sie hielt bis zu einem Pegel von 10 m, der Rhein stoppte bei 9,95 m.
1993 und 1995: die beiden „Jahrhunderthochwasser"
24. Dezember 1993 – 10,63 m. Weihnachten 1993 erlebt Köln sein erstes „Jahrhunderthochwasser". Der Rhein steigt laut StEB um bis zu 10 cm pro Stunde. Die neue Schutzwand wird überspült, Teile der Altstadt stehen unter Wasser. So hoch stand der Rhein seit 1926 nicht mehr.
30. Januar 1995 – 10,69 m. Nur gut ein Jahr später folgt die nächste Flut, noch höher. Regen, Tauwetter und Zuflüsse aus Mosel und Sieg lassen den Rhein zeitweise um 21 cm pro Stunde steigen. Rund 1.740 Hektar werden überflutet, 33.000 Menschen sind betroffen. Dank verbesserter Schutzsysteme sind die Schäden laut StEB mit rund 35 Millionen Euro nur halb so hoch wie 1993.
Diese beiden Ereignisse führten laut StEB zu einem grundlegenden Umdenken. Im Februar 1996 beschloss der Kölner Rat einstimmig das Hochwasserschutzkonzept. Wie es heute funktioniert, steht im Beitrag Hochwasserschutz in Köln.
Seit 2000: kein Wasserstand über 10 Meter
Nach 1995 blieb Köln laut StEB von Hochwassern über 10 m verschont. Hochwasser gab es trotzdem regelmäßig – oft durch Dauerregen, Schneeschmelze oder Starkniederschläge in den Zuflüssen.
- 5. Januar 2003 – 9,71 m. Laut Landesamt für Wasserwirtschaft Rheinland-Pfalz der Scheitel des Winterhochwassers 2002/2003, eingestuft als etwa zwölfjährliches Ereignis. Nach den Rohdaten von PEGELONLINE stand der Rhein in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar auf diesem Höchstwert. Im November 2002 hatte der Rhein in Köln bereits 7,73 m erreicht.
- 11. Januar 2011 – 8,91 m. Der erste Ernstfall für die neuen Schutzanlagen, die die StEB 2008 fertiggestellt hatten. Rund 1,3 km mobile Wände wurden aufgebaut, 21 Pumpwerke liefen, mehr als 400 Schiebermaßnahmen wurden durchgeführt. In Rodenkirchen (Uferstraße) und Kasselberg baute man Stege, die DLRG übernahm den Fährdienst.
- 7. Januar 2012 – 7,78 m. Das Hubtor in Rodenkirchen wurde hochgefahren, erste mobile Wände wurden aufgestellt.
- 29. Dezember 2012 – 7,83 m. Vorsorglich wurden vor Weihnachten die oberirdischen Maßnahmen bis zu einem Wasserstand von 9,00 m aufgebaut, darunter Teile der mobilen Wand in der Altstadt.
- 5. Februar 2013 – 7,54 m und 5. Juni 2013 – 7,65 m. Im Februar musste in der Altstadt kein Schutz aufgebaut werden; im Juni wurden am Ober- und Mittelrhein sechs Rückhalteräume geflutet.
- 8. Januar 2018 – 8,78 m, zweiter Scheitel am 27. Januar mit 8,25 m. 318 Schieber und 15 Pumpwerke wurden in Betrieb genommen.
- 6. Februar 2020 – 7,99 m. Der Rhein stieg 19 Stunden lang um 8 bis 12 cm pro Stunde. Der Einsatz dauerte fast sieben Wochen.
- 7. Februar 2021 – 8,69 m. Ein normales Winterhochwasser aus Schmelzwasser und Regen; laut damaliger Statistik tritt diese Höhe etwa alle 3,5 Jahre auf.
- 17. Juli 2021 – 8,06 m. Das Tief „Bernd" brachte Starkniederschläge im ganzen Rheingebiet. Am Oberrhein wurden drei Rückhalteräume in Betrieb genommen.
- 6. Januar 2024 – 8,23 m. Nach 55 Tagen Hochwasser erreichte der Rhein seinen Höchststand. Weil er 61 Tage lang nicht unter 4,50 m fiel, war es laut StEB das längste Hochwasserereignis seit Beginn der Aufzeichnung 1816.
- 11. Januar 2025 – 7,79 m. Steigerungsraten von bis zu 10 cm pro Stunde; das Hubtor und erste mobile Schutzelemente in Rodenkirchen wurden aufgebaut.
- 24. Februar 2026 – 7,07 m. Laut Hochwasserbericht der Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz vom 25.02.2026 am Abend des Vortags erreicht.
Die Daten seit 2000 zeigen ein Muster: Hochwasser zwischen 7,50 und 9 m sind in Köln keine Seltenheit. Sie reichen, um Rodenkirchen und Zündorf zu sichern, die Schifffahrt einzustellen oder Kasselberg vom Wasser zu umschließen. Was bei welchem Stand geschieht, steht im Beitrag Was passiert in Köln bei welchem Pegel?.

Rodenkirchen
Rodenkirchen: Hubtor und Auenviertel
559 cm Luft bis zur Schwelle bei der Vorhersage-Spitze
Merkenich
Kasselberg
729 cm Luft bis zur Schwelle bei der Vorhersage-Spitze

Altstadt-Nord
Altstadt-Promenade und Rheingarten
689 cm Luft bis zur Schwelle bei der Vorhersage-Spitze
Was die Geschichte lehrt
Die StEB ziehen drei Lehren aus der Hochwassergeschichte: Sie zeigt, für welche Ereignisse sich Städte wappnen müssen. Sie macht deutlich, wie wichtig Vorsorge der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger ist. Und sie erinnert daran, dass technischer Schutz wichtig ist, aber nicht jedes Risiko abwehren kann.
Für die Zukunft rechnen die StEB mit neuen Herausforderungen: Im Rheineinzugsgebiet falle mehr Regen im Winter, und die Wetterlagen würden generell extremer. Heute gibt es ein Schutzkonzept für rund 70 km Rheinufer, mit mobilen Wänden auf etwa 11 km Länge.
Wie sich der Rhein in den letzten Tagen entwickelt hat, zeigt das Archiv. Den aktuellen Stand siehst du auf der Pegelseite.
- Letzter Tageshöchststand
- 28.10.2026136 cm (36,40 m NHN)
- Zuletzt über Hochwasser
- 03.03.2026Hochwasser, 465 cm (39,69 m NHN)
- Zuletzt Orte betroffen
- 02.03.20261 von 9 Orten (Rheinboulevard (unterer Bereich)), 509 cm (40,13 m NHN)
- Höchster Wasserstand seit 01.01.2000
- 971 cm (44,75 m NHN)Sa., 04.01.2003, 21:15 Uhr
- Niedrigster Wasserstand seit 01.01.2000
- 40 cm (35,44 m NHN)So., 27.09.2026, 18:15 Uhr
Aus unserer Chronik seit 01.01.2000. Zum Hochwasser-Archiv
Häufige Fragen
Was war das höchste Hochwasser in Köln?
Den historischen Höchststand nennen die StEB für das Eishochwasser im Februar 1784 mit rund 13,55 m Kölner Pegel – vor Beginn der Messung. Seit Beginn der Aufzeichnung 1816 war es das Neujahrshochwasser 1926 mit 10,70 m.
Wie hoch war das Hochwasser 1995 in Köln?
10,69 m Kölner Pegel am 30. Januar 1995. Rund 1.740 Hektar wurden laut StEB überflutet, 33.000 Menschen waren betroffen.
Wann stand der Rhein in Köln zuletzt über 10 Meter?
Laut StEB 1995. Seitdem gab es keinen Wasserstand über 10 m Kölner Pegel. Der höchste Stand seit 2000 waren 9,71 m am 5. Januar 2003.
Welches Kölner Hochwasser dauerte am längsten?
Laut StEB das Hochwasser 2023/2024: Der Rhein lag 61 Tage lang über 4,50 m – das längste Ereignis seit Beginn der Aufzeichnung 1816. Der Höchststand waren 8,23 m am 6. Januar 2024.
Quellen
- StEB Köln – Hochwassergeschichte Kölns
- Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz – Pegel Köln
- Landesamt für Wasserwirtschaft Rheinland-Pfalz – Hochwasser im Rheingebiet, Winter 2002/2003 (Bericht 206/03)
- Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz – Hochwasserbericht Rhein vom 12.01.2025 (über das hessische Hochwasserportal)
- Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz – Hochwasserbericht Rhein vom 25.02.2026 (über das hessische Hochwasserportal)
- PEGELONLINE – Pegel Köln (Stammdaten, Kennwerte, Messwerte und Vorhersage)
- StEB Köln – Hochwasserschutzkonzept für die Stadt Köln
Die Darstellung dient der Information. Bei Hochwasser- und Gefahrenlagen gelten die Warnungen und Anweisungen der zuständigen Behörden.

