Ein Rheinhochwasser kommt in Köln selten über Nacht. Meist steigt der Rhein über Tage, und die Vorhersage kündigt ihn an. Diese Zeit lässt sich nutzen – wenn du weißt, was zu tun ist. Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln (StEB), die den Hochwassereinsatz in der Stadt leiten, haben dazu ausführliche Empfehlungen veröffentlicht. Dieser Beitrag fasst sie zusammen: von der Information über die Vorbereitung bis zum Aufräumen danach.
Live · Pegel Köln
118 cm
→ gleichbleibend (±0 cm in 30 Min.)
Vorhersage-Höchststand heute, 29.10., 15:00 Uhr: 121 cm
Stand 29.10.2026, 11:15 Uhr · Zum Live-Pegel
Ab wann solltest du aufmerksam werden?
Die StEB nennen zwei Schwellen. Ab 4,50 m Kölner Pegel werden erste Fuß- und Radwege vor der Hochwasserschutzlinie überschwemmt. Ab etwa 5,70 m müssen mobile Schutzwände aufgebaut werden – ab diesem Wasserstand ist es laut StEB ratsam, sich regelmäßig über die aktuelle Situation und die Vorhersagen zu informieren.
Wo es bei welchem Stand ernst wird, hängt von deinem Ort ab. Die Stufen für Rheinboulevard, Altstadt, Rodenkirchen, Zündorf und Kasselberg stehen im Beitrag Was passiert in Köln bei welchem Pegel?.
| Ort | Stadtteil | Schwelle (Pegel) | m NHN | Status jetzt |
|---|---|---|---|---|
| Rheinboulevard (unterer Bereich) | Deutz | 500 cm | 40,04 | Unauffällig |
| Leinpfad Rodenkirchen | Rodenkirchen | 550 cm | 40,54 | Unauffällig |
| Parkplatz an der Bastei | Neustadt-Nord | 580 cm | 40,84 | Unauffällig |
| Rodenkirchen: Hubtor und Auenviertel | Rodenkirchen | 680 cm | 41,84 | Unauffällig |
| Groov in Zündorf | Zündorf | 700 cm | 42,04 | Unauffällig |
| Altstadt-Promenade und Rheingarten | Altstadt-Nord | 810 cm | 43,14 | Unauffällig |
Die 6 Orte mit den niedrigsten Schwellen – Schwellen aus geprüften Quellen, je Ort auf der Ortsseite angegeben, Status nach Pegel Köln. Alle Orte
Wo du dich informierst
Die StEB empfehlen mehrere Wege, die sich gegenseitig ergänzen:
- Wasserstandsvorhersage der StEB auf deren Website – die Vorhersage für den Kölner Pegel.
- Hochwassertelefon der StEB: 0221 221-26161.
- App „Meine Pegel" mit amtlichen Wasserstands- und Hochwasserinformationen für über 1.800 Pegel in Deutschland.
- Warn-App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Stadt Köln nutzt sie laut StEB für Warnungen und Informationen – nicht nur bei Hochwasser, sondern zum Beispiel auch bei Unwetter oder Großbränden.
- Radio: Bei Stromausfall hilft ein batteriebetriebenes Gerät. Die StEB nennen Radio Köln auf UKW 107,1 MHz.
- Verkehrskalender der Stadt Köln: Er zeigt laut StEB auch hochwasserbedingte Straßensperrungen.
Reicht der technische Hochwasserschutz nicht mehr aus, wird in den betroffenen Gebieten laut StEB mit Sirenen und Lautsprecherdurchsagen gewarnt. Gib solche Informationen auch an deine Nachbarinnen und Nachbarn weiter.
Was du vorrätig haben solltest
Die StEB empfehlen eine Grundausrüstung, mit der du mehrere Tage unabhängig bist:
- Trinkwasser in ausreichender Menge, vorher abgefüllt,
- haltbare Lebensmittel,
- eine Hausapotheke mit wichtigen Medikamenten und Erste-Hilfe-Material,
- ein voll geladenes Handy und ein batteriebetriebenes Radio.
Wichtige persönliche Dokumente wie Versicherungsurkunden solltest du einpacken oder an einen Ort bringen, der nicht vom Hochwasser betroffen sein kann.
Wenn das Hochwasser kommt
Ruhe bewahren. Folge den Anweisungen der Einsatz- und Hilfskräfte. Deine Sicherheit hat laut StEB oberste Priorität.
Fahrzeuge wegfahren. Bring dein Auto frühzeitig in einen hochwassersicheren Bereich – ohne Einsatzkräfte oder Nachbarn zu behindern. An den mobilen Wänden ist das Pflicht: In der Sperrzone müssen Fahrzeuge laut den Hochwasserschutzzonenverordnungen unverzüglich entfernt werden, sonst lässt die Stadt sie auf Kosten der Halter abschleppen.
Gefährliche Stoffe aus dem Keller holen. Altöl, Chemikalien, Farben, Lacke, Wasch- und Reinigungsmittel gehören nicht in einen Keller, der volllaufen kann. Sie können Wohnräume und Gewässer stark verschmutzen. Treten trotzdem umweltgefährdende Stoffe aus, verständige sofort die Feuerwehr.
An Kranke und Pflegebedürftige denken. Sorge rechtzeitig dafür, dass sie bei Verwandten oder Freunden unterkommen, oder organisiere private Dienste oder Hilfsorganisationen. Bei akuter Gefahr für Gesundheit oder Leben gelten die Notrufnummern 110 und 112.
Keller, Heizung, Strom und Müll
Keller, Garagen und andere tief liegende Räume sind laut StEB als Erste betroffen. Steht das Wasser vor der Tür, kann der Aufenthalt in Untergeschossen sogar lebensgefährlich sein. Bring Möbel und Wertgegenstände frühzeitig nach oben und hol dir Hilfe aus Familie, Freundeskreis oder Nachbarschaft. Wer eine Spedition braucht, sollte früh planen – bei Hochwasser sind viele Dienstleister ausgelastet.
Für die Haustechnik nennen die StEB:
- Heizung abschalten: Brenner und Thermen rechtzeitig ausschalten, damit sie vor einer möglichen Demontage auskühlen. Einen Fachbetrieb früh beauftragen.
- Gasventile schließen.
- Öltanks sichern: Tanks und Leitungen müssen fest verankert sein, damit sie nicht aufschwimmen. Ein vollständig gefüllter Tank kann den äußeren Wasserdruck ausgleichen.
- Strom abschalten in Räumen, die überflutet werden – so früh wie möglich. Ob und wann die Versorgung im Stadtteil unterbrochen wird, weiß dein Stromversorger.
- Mülltonnen sichern: Wenn genug Zeit bleibt, organisiert die AWB Köln Sonderentleerungen. Sonst die Tonnen gegen Wegschwemmen sichern.
Die StEB nennen dafür zwei Kontakte: die AWB-Kundenberatung unter 0221 922-2224 und den Entstördienst der RheinEnergie für Strom, Wasser und Gas unter 0221 34645-600.
Wie Wasser ins Haus kommt
Für die längerfristige Vorsorge erklären die StEB drei Wege, auf denen Wasser in ein Gebäude gelangt:
- Oberflächenwasser dringt über Lichtschächte, Kellerfenster oder ebenerdige Türen ein – vor allem dort, wo diese Öffnungen unter dem umgebenden Gelände liegen.
- Grundhochwasser: Steigt der Grundwasserspiegel, drückt er auf Bodenplatte und Kellerwände. Im schlimmsten Fall bricht die Bodenplatte auf. In vielen Kölner Stadtteilen in Flussnähe oder mit Sand- und Kiesböden kann das Grundwasser bei Hochwasser stark steigen – und es reagiert verzögert. Die Gefahr bleibt also, auch wenn der Rhein schon wieder fällt.
- Rückstau aus der Kanalisation: Ist das Kanalnetz überlastet, etwa bei Starkregen, kann Abwasser über die Hausanschlüsse zurück ins Gebäude drücken.
Was dagegen hilft
- Öffnungen sichern: Lichtschächte, Kellerfenster und Türen regelmäßig kontrollieren, wo nötig druckwasserdicht ausführen oder wasserdicht abdecken. Bei tiefen Eingängen und Garageneinfahrten helfen mobile Barrieren oder automatische Schotts.
- Rückstausicherung: Liegen Abläufe unter der Rückstauebene des öffentlichen Kanals, schaffen Rückschlagklappen oder Hebeanlagen Abhilfe – fachgerecht eingebaut und regelmäßig gewartet.
- Gegen Grundhochwasser: Die StEB nennen die Schwarze Wanne (Außenabdichtung mit Bitumen- oder Kunststoffbahnen), die Weiße Wanne (wasserundurchlässiger Beton) und die Innendichtung mit Trog, die sich besonders für die nachträgliche Sanierung eignet.
- Nutzung anpassen: Wertvolles nicht im gefährdeten Keller lagern, Heizung, Stromverteiler und empfindliche Technik möglichst nach oben verlegen.
Mit dem Wasser-Risiko-Check der StEB kannst du das Überflutungsrisiko deines Gebäudes online ermitteln: Adresse eingeben, Fragen beantworten, Empfehlungen erhalten.
Versicherung und Hochwasserpass
Gegen Hochwasserschäden schützt eine Elementarschadenversicherung als Zusatz zur Wohngebäude- und Hausratversicherung. Laut StEB ist dieser Baustein derzeit optional, die Bedingungen unterscheiden sich je nach Anbieter. In stark gefährdeten Lagen gibt es unter Umständen nur sehr teure oder gar keine Angebote; dann raten die StEB zu ausreichenden privaten Rücklagen.
Der Hochwasserpass ist ein freiwilliges Dokument über die Hochwassergefährdung einer Immobilie, ihre Bauweise und bestehende Schutzmaßnahmen. Informationen dazu gibt laut StEB das HochwasserKompetenzCentrum.
Nach dem Hochwasser
Die StEB empfehlen:
- Schlamm möglichst schnell entfernen, bevor er austrocknet.
- Überflutete Räume erst leerpumpen, wenn keine Grundhochwassergefahr mehr besteht.
- Beschädigte Bausubstanz prüfen lassen, vor allem die Statik.
- Gebäudeteile schnell trocknen, gegen Schimmel und Schädlinge.
- Elektrische Geräte und Anlagen erst nach einer Prüfung wieder in Betrieb nehmen.
- Prüfen, ob Chemikalien oder Heizöl ausgelaufen sind.
- Lebensmittel entsorgen, die mit Hochwasser in Kontakt waren.
- Schäden fotografieren und die Versicherung informieren.
Und ein Rat für das nächste Mal: Wenn du zum ersten Mal betroffen bist, notiere, wie sich deine Umgebung bei bestimmten Wasserständen verändert und ab welchem Pegel das Wasser dein Grundstück erreicht. Mit diesem Wissen und der Vorhersage auf dieser Seite kannst du beim nächsten Hochwasser früher handeln. Eine Benachrichtigung für deinen Ort hilft dabei.
Häufige Fragen
Ab welchem Pegel sollte ich mich in Köln über Hochwasser informieren?
Laut StEB ab etwa 5,70 m Kölner Pegel, weil ab dann mobile Schutzwände aufgebaut werden müssen. Erste Fuß- und Radwege vor der Schutzlinie werden schon ab 4,50 m überschwemmt.
Pumpt die Feuerwehr bei Hochwasser meinen Keller leer?
Nein. Laut StEB stellt die Feuerwehr während der Hochwasserphase keine Pumpen zur Verfügung. Leergepumpte Räume können unter dem Wasserdruck von außen zusammenbrechen.
Wie werde ich in Köln vor Hochwasser gewarnt?
Die Stadt Köln nutzt laut StEB die Warn-App NINA. Reicht der technische Schutz nicht mehr aus, wird in den betroffenen Gebieten mit Sirenen und Lautsprecherdurchsagen gewarnt. Dazu gibt es das Hochwassertelefon der StEB unter 0221 221-26161.
Warum kann mein Keller noch nach dem Hochwasser nass werden?
Durch Grundhochwasser. Laut StEB reagiert das Grundwasser verzögert und kann noch steigen, wenn das sichtbare Hochwasser schon zurückgeht.
Quellen
- StEB Köln – Hochwasser: Verhalten im Ernstfall
- StEB Köln – Eigenvorsorge gegen Hochwasser
- StEB Köln – Hochwasserschutz in Köln
- StEB Köln – Wasserstandsvorhersage und „Was passiert bei welchem Wasserstand?“
- Stadt Köln – Hochwasserschutzzonenverordnung Altstadt Süd – Altstadt Nord (09.07.2010)
Die Darstellung dient der Information. Bei Hochwasser- und Gefahrenlagen gelten die Warnungen und Anweisungen der zuständigen Behörden.

